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Stud. jur. Monika Majmunovic

Hausarbeit in der Übung im Bürgerl. Recht für Vorgerückte

WS 1996/1997

Sachverhalt von Prof. Dr. Thomas Abeltshauser LL.M.

Bearbeitung von stud. iur. Monika Majmunovic

Sachverhalt

Literaturverzeichnis

Gliederung

Gutachten

Anmerkungen des Korrekturassistenten

 

Sachverhalt

Der Schotte S, der nur geringe Deutschkenntnisse hat, bereist zum ersten Mal Deutschland. Kurz nach dem Grenzübertritt findet er in der Aachener Innenstadt ein Parkhaus des Warenhauses W mit der üblichen Ausschilderung (weißes P auf blauem rechteckigen Grund) und der grünen Tafel mit dem Wort "frei". In der Meinung, "frei" bedeute soviel wie das unter denselben Umständen benutzte Wort "free" an britischen Parkhäusern, nämlich "kostenlos", und die Zurverfügungstellung kostenlosen Parkraums sei eine lobenswerte Serviceleistung des Warenhauses W, benutzt S das Parkhaus, zumal er den etwas versteckt ausgehängten Parkgebührentarif übersieht. Der Notwendigkeit, eine "Einlaßkarte" am Automaten vor Einfahrt in das Parkhaus zu ziehen, mißt S keine Bedeutung bei, weil er dieses Parkhaussystem aus seiner Heimat nicht kennt und er meint, es handele sich um eine sinnvolle Absicherung gegen Autodiebstahl. Da S das Parken für kostenlos hält, unternimmt er ausgiebig Besichtigungen und läßt das Auto auch unbesorgt über Nacht in dem Parkhaus.

Beim Abholen des Fahrzeugs am nächsten Morgen verweigert der Kassierer dem S die Ausfahrt: S soll zuvor die tarifliche Parkgebühr von 20,-- DM zahlen. S erklärt glaubhaft, wenn er gewußt hätte, daß er für das Parken bezahlen solle, hätte er das Parkhaus nicht benutzt und den Parkschein nicht gezogen. Dann hätte er das Fahrzeug außerhalb der gebührenpflichtigen Innenstadtzone geparkt und wäre zu Fuß in die Stadt gegangen. Das Warenhaus W habe auch keinen Nachteil erlitten, weil - was zutrifft - das Parkhaus ohnehin nicht ausgelastet gewesen sei. Der herbeigerufene Geschäftsführer G des Warenhauses W meint hingegen, Vertrag sei Vertrag. Jedenfalls habe S doch immerhin tatsächlich den Vorteil einer zentrumsnahen Parkgelegenheit aufgrund Gestattung der W erlangt, den er doch nicht schlicht unentgeltlich für sich reklamieren könne.

Kann S von W, vertreten duch G, die Herausgabe des Autos verlangen, ohne zuvor etwas für das Unterstellen des Autos zu bezahlen?

Zusatzfall (bei dem im übrigen gleichen Sachverhalt): Beim Abholen fällt dem S eine Schramme an der rechten Seite seines Fahrzeuges auf. Es stellt sich heraus, daß der Angestellte A des Warenhauses W diese durch unvorsichtiges Hantieren mit einer Leiter beim Auswechseln einer Leuchtröhre verursachte. Kann S, der nach wie vor die Zahlung der Parkgebühr verweigert, von W Ersatz der Reparaturkosten verlangen, wenn W nachweisen kann, daß A ordentlich ausgewählt, angeleitet und überwacht worden ist und bisher nie Grund zu Klagen gegeben hat?

Hinweis: Das Gutachten soll den Umfang von 25 Druckseiten (1/3 Rand links, 1,5 zeilig, 12er Schrift) nicht überschreiten.

 

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Luxusvilla auf schwankendem Grund: Der Nutzungsschaden an Wohnungseigentum - BGHZ (GS) 98, 212; JuS 1988., S. 20 - 25

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Eigentümer-Besitzer-Verhältnis und Ansprüche aus ungerechtfertigter Bereicherung, AcP 175 (1975), S. 109 - 142

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Besitz und Eigentumsübertragung am Inhalt eines Schrankfaches - OLG Oldenburg, NJW 1977, 17780; JuS 1980, S. 175 - 176

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Die Haftung bei Benutzung eines bewachten Parkplatzes, NJW 1963, SS. 141, 142

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Die Verwendungsersatzansprüche des Besitzers im Anspruchssystem, AcP 166 (1966), S. 188 - 228

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Die Eigentumsvermutung des § 1006 BGB - BGH NJW 1984, 1456; JuS 1985, S. 941 - 944

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Sachenrecht, 12. Aufl., München 1994

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Zeuner, Albrecht  

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Gliederung

(Die untergeordneten Gliederungspunkte sollten zur besseren Überschaubarkeit etwas eingezogen werden. In dieser HTML-Version ist der Einzug nicht praktikabel, so daß hier darauf verzichtet wurde.)

A. Deutsches Kollisionsrecht

B. Anspruch des S gem. § 695 BGB

C. Herausgabeanspruch des S gem. § 985

I. Eigentum des S

II. Besitzerwerb des W, vertreten durch G, gem. § 854 I

III. Besitzerwerb für eine juristische Person

IV. Besitzrecht des W gem. § 986 I S. 1, 1. Alt.

1. Besitzrecht aus Vermieterpfandrecht gem. § 559

a. Abschluß eines Mietvertrages gem. § 535

aa. Angebot des W gem. § 145

aaa. Äußerer Erklärungstatbestand

bbb. Inhalt gerichtet auf Abschluß eines Mietvertrages gem. § 535

bb. Annahme des S gem. § 151 S. 1

aaa. Äußerer Erklärungstatbestand

bbb. Inhalt gerichtet auf Abschluß eines Mietvertrages gem. § 535

aaaa. Vorliegen allgemeiner Geschäftsbedingungen

bbbb. Konkludente Einverständniserklärung

b. Nichtigkeit des Mietvertrages gem. § 142 I

aa. Vernichtbarkeit der Annahmeerklärung

bb. Anfechtung der Annahmeerklärung gem. §§ 119 I Alt. 1, 142 I

aaa. Anfechtungsgrund gem. § 119 I Alt. 1

bbb. Kausalität gem. § 119 I

ccc. Anfechtungserklärung gem. § 143 I

ddd. Anfechtungsgegner gem. § 143 II

eee. Ergebnis der Anfechtung gem. §§ 119 I Alt. 1, 142 I

2. Zurückbehaltungsrechte gem. §§ 273, 1000

3. Ergebnis zum Besitzrecht gem. § 986 I S. 1, 1. Alt.

V. Durchsetzbarkeit des Herausgabeanspruchs

1. Zurückbehaltungsrecht gem. § 1000 S. 1 i. V. m. § 994 I S. 1

2. Zurückbehaltungsrecht gem. § 273 I

a. Gegenanspruch aus § 122 I

b. Gegenanspruch aus § 823 I i. V. m. § 249 S. 1

c. Gegenanspruch aus § 812 I S. 1 Alt. 1 i. V. m. § 818 II

3. Ergebnis der Durchsetzbarkeit des Herausgabeanspruchs

D. Herausgabeanspruch wegen unerlaubter Handlung

I. Konkurrenzen

II. Objektiver Tatbestand

III. Rechtswidrigkeit

IV. Verschulden

V. Ergebnis

E. Herausgabeanspruch wegen ungerechtfertigter Bereicherung

I. Leistungskondiktion § 812 I S. 1 Alt. 1

II. Eingriffkondiktion § 812 I S. 1 Alt. 2

III. Vermögensnachteil

F. Gesamtergebnis

Zusatzfall

A. Haftung für Verrichtungsgehilfen gem. § 831 I

I. Voraussetzungen der Vermutung

II. Widerlegung der Vermutung

B. Schadensersatzanspruch gem. § 823 I

I. Organhaftung

II. Organisationsverschulden

C. Anspruch aus culpa in contrahendo i. V. m. § 278

 

Gutachten

 

A. Deutsches Kollisionsrecht

Im vorliegenden Fall handelt es sich bei S um einen Schotten und damit einen Staatsbürger Großbritanniens. Fraglich ist daher, welche ausländischen oder deutschen Kollisionsnormen für Schuldrecht, Sachenrecht, Recht der unerlaubten Handlungen und ungerechtfertigten Bereicherung zur Anwendung kommen.

Im deutschen IPR entscheidet grundsätzlich das Recht der Staatsangehörigkeit (Heimatrecht) im Personenrecht (Rechts- und Geschäftsfähigkeit, Name und andere Persönlichkeitsrechte), im Familienrecht und im Erbrecht. Ausnahmen bilden das Recht des Tatorts und des Orts des Erfolgeintritts, die für unerlaubte Handlungen gelten, und die Schuldverträge, bei denen das Recht gilt, das die Parteien vereinbaren (Bevorzugung des Parteiinteresses).[1] Verträge unterliegen gem. Art. 27 I EGBGB dem von den Parteien gewählten Recht.

Im vorliegenden Fall haben S und W, vertreten durch G, diesbezüglich keine Vereinbarungen getroffen. Damit unterliegt hier ein zwischen S und W, vertreten durch G, zustandekommender Vertrag gem. Art. 28 I EGBGB dem Recht mit dem es die engste Verbindung aufweist. Ein Vertrag würde hier gem. Art. 28 II EGBGB die engste Verbindung mit dem Sitz der W als jur. Person (dazu später) aufweisen. Der Sachverhalt bezieht sich auf Aachen, wo sich auch das Warenhaus und sein Parkhaus befinden. Folglich ist hier davon auszugehen, daß bei Verträgen zwischen S und W deutsches Recht gilt. Art. 28 V EGBGB steht dieser Vermutung nicht entgegen. Die für die ungerechtfertigte Bereicherung entwickelten Grundsätze[2], führen vorliegend zum selben Ergebnis, nämlich das deutsches Recht Anwendung findet. Bei der unerlaubten Handlung greift wie oben erwähnt das Tatortprinzip, wonach bezogen auf diesen Fall wiederum deutsches Deliktsrecht gilt. Bei Sachenrecht ist gilt das Lagerortsrecht.[3]

Auf den vorliegenden Sachverhalt ist folglich das deutsche Privatrecht anzuwenden.

 

B. Anspruch des S gem. § 695 BGB[4]

S könnte von W, vertreten durch G, gem. § 695 das Auto zurückfordern. Dann müßte zwischen ihnen, durch inhaltlich übereinstimmende und mit Bezug aufeinander abgegebene, ausdrückliche oder konkludente Willenserklärungen, ein Verwahrungsvertrag gem. § 688 abgeschlossen worden sein, und die daraus resultierende Forderung nicht erloschen und einredefrei durchsetzbar sein.

Zunächst müßte ein Angebot, dessen Inhalt auf den Abschluß eines Verwahrungsvertrages gem. § 688 gerichtet ist, abgegeben worden sein.

Fraglich ist hier jedoch bereits diese Vertragsart, d. h. ob überhaupt eine Obhutspflicht vorliegt. Die Obhutspflicht des Verwahrers beinhaltet die Bewahrung der Sache vor einem Schaden, Schutz vor Diebstahl und die sichere Beaufsichtigung der Sache.[5] Im vorliegenden Fall ging S zwar davon aus, daß das Ziehen der Einlaßkarte dem Zweck einer Diebstahlsicherung diente, der Sachverhalt läßt jedoch nicht auf einen bewachten Parkplatz schließen, deren Benutzung mit dem Abschluß einer Diebstahlversicherung verbunden ist. Die Aufforderung des S, beim Verlassen des Parkhauses die tarifliche Parkgebühr zu entrichten, verdeutlicht vielmehr, daß das Lösen des Parkscheins lediglich als Kontrolle der zu bezahlenden Parkzeit fungierte.

Das Warenhaus stellte hier dem S nur Parkfläche gegen Entgelt zur Verfügung und übernahm dabei keine weiteren Verpflichtungen. Wer das Angebot eines Warenhauses nutzt, in deren Garagen im Stadtzentrum zu parken, darf nicht auf eine sorgfältige Überwachung zum Schutz vor Diebstahl und Beschädigung vertrauen.[6] Eine Obhutspflicht des W, vertreten durch G, bezüglich des Kraftfahrzeugs des S bestand also nicht. Folglich kann S sein Auto von W, vertreten durch G, nicht gem. § 695 zurückfordern.

Zwischen W und S könnte vielmehr ein Mietvertrag zustandegekommen sein. Das Abstellen eines Kraftfahrzeuges in einem nicht aufgrund besonderer organisatorischer Maßnahmen ständig bewachten Parkhaus wird üblicherweise als Raummiete qualifiziert, wenn neben der Verpflichtung zur entgeltlichen Gebrauchsüberlassung des Platzes keine die Verwahrung bezeichnenden Obhutspflichten für eine sichere und pflegliche Aufbewahrung des Kraftfahrzeuges vertraglich begründet werden.[7]

Aus einem mit W geschlossenen Mietvertrag, könnte S gem. § 547 a berechtigt gewesen sein, W, vertreten durch G, das Fahrzeug wegzunehmen. Hat der Mieter die Mietsache zurückgegeben und der Vermieter unmittelbaren Besitz erlangt, ist der Vermieter zur Duldung der Wegnahme der Einrichtung gem. § 258 S. 1 verpflichtet.[8] Durch die Sonderregelung der §§ 258, 547 a sind weitergehende Befugnisse des Mieters ausgeschlossen[9], insbesondere stehen dem Mieter keine Herausgabeansprüche gem. § 985 zu[10]. S verlangte von W, vertreten durch G, die Herausgabe seines Autos ohne seinerseits eine Leistung erbringen zu müssen. Bei einer Durchsetzung des Wegnahmerecht, müßte S aber gem. § 258 S. 1 die Mietsache auf eigene Kosten in den vorigen Zustand setzen, es müßte also seinerseits eine Leistung erfolgen. S konnte also gem. § 547 a I keine Herausgabe des Autos von W, vertreten durch G, fordern.

 

C. Herausgabeanspruch des S gem. § 985

S könnte gegen W, vertreten durch G, einen Anspruch auf Herausgabe des Autos gem. § 985 haben. S kann nur dann nach § 985 von W, vertreten durch G, Herausgabe des Autos verlangen, wenn er nicht unmittelbar besitzender gegenwärtiger Eigentümer dieses Fahrzeugs ist, und W, vertreten durch G, der unrechtmäßige Besitzer. D. h. die Vindikationslage müßte gegeben sein.

 

I. Eigentum des S

Zunächst müßte S Eigentümer des Fahrzeugs sein. Eigentümer ist derjenige, dem alle gesetzlich zugelassenen Nutzungs- und Verwendungsmöglichkeiten an einer Sache zustehen, der mit der Sache nach Belieben verfahren darf und die Befugnis hat, andere von jeder Einwirkung auszuschließen.[11]

Aufgrund fehlender Anhaltspunkte über einen rechtswirksamen Erwerb, ist fraglich, ob S tatsächlich Eigentümer des Fahrzeugs ist. Zu seinen Gunsten könnte hier die Eigentumsvermutung des § 1006 I S. 1 greifen. Zugunsten des unmittelbaren Besitzers einer beweglichen Sache wird vermutet, daß er mit der Erlangung des Besitzes Eigentümer geworden ist und das er mit der Besitzübergabe unbedingtes Eigentum erworben hat.[12] Wird jedoch der Erwerb des Eigentums nicht bestritten, so bedarf es nicht der Eigentumsvermutung gem. § 1006.[13] W, vertreten durch G, bestreitet nicht das Eigentum des S am Fahrzeug. In der Abholung des Wagens und der Herausgabeaufforderung realisierte sich vielmehr die tatsächliche Eigentümerstellung des S. Im vorliegenden Fall kann folglich davon ausgegangen werden, daß S Eigentümer des Pkw war. Er war damit berechtigt, mit dem Auto nach belieben zu verfahren und jede fremde Einwirkung auszuschließen.

 

II. Besitzerwerb des W, vertreten durch G, gem. § 854 I

W, vertreten durch G, müßte Besitz am Fahrzeug des S nach § 854 I erlangt haben.

Fraglich ist jedoch, ob W, vertreten durch G, durch das Abstellen des PKW im Parkhaus, und damit im Herrschaftsbereich des W, aufgrund der dadurch entstandenen räumlichen Beziehung und der Einwirkungsmöglichkeiten, am Fahrzeug des S unmittelbaren Besitz erlangt hat, und ob S dadurch seinen unmittelbaren Besitz verloren hat.

Unmittelbaren Besitz hat, wer in einer derart intensiven räumlichen und zeitlichen (§ 856 II) Beziehung zu einer Sache (§ 90) steht, daß er in der Lage ist, über die Sache tatsächlich zu herrschen.[14] Auch bei räumlicher Entfernung des Fahrers von seinem Fahrzeug wird ohne weiteres angenommen, daß der Benutzer des Parkhauses, durch das Behalten der Autoschlüssel, die tatsächliche Sachherrschaft über seinen verschlossen abgestellten Pkw nicht aufgibt, sondern behält[15], so daß ein anderer den Besitz nicht erlangen kann.[16] S hatte folglich unmittelbaren Besitz am Auto als er in das Parkhaus des W hineinfuhr und verlor diesen auch nicht mit Abstellen des Wagens. W, vertreten durch G, hat hier also keinen unmittelbaren Besitz erlangt.

S konnte jedoch ohne die Zustimmung des W, vertreten durch G, das Parkhaus mit seinem Fahrzeug nicht verlassen. In diesem Augenblick könnte W, vertreten durch G, qualifizierter Mitbesitzer i. S. d. § 866 am Fahrzeug (wenn auch nicht an seinem Inhalt) des S geworden sein. Den qualifizierten Mitbesitz können die Mitbesitzer nur gemeinsam ausüben.[17]

S hatte zwar die Autoschlüssel und konnte somit das Fahrzeug als einziger bedienen, war aber ohne die Zustimmung des G nicht in der Lage, das Parkhaus zu verlassen. Damit war G in diesem Moment Mitbesitzer und konnte die Einwirkung des S bezüglich des Wegfahrens mit dem Auto ausschließen. Der Wagen konnte das Parkhaus nur durch S’ und Gs gemeinsame Handlungen verlassen, ein qualifizierter Mitbesitz des W, vertreten durch G, ist hier also gegeben.

Darüber hinaus müßte W, vertreten durch G, einen Besitzbegründungswillen bezüglich S’ Auto haben. Durch die Anonymität des Parkvorganges, fehlt den Parkhausbetreibern in solchen Fällen der generelle Wille zum Besitzerwerb an den in ihrem Parkhaus abgestellten Pkws, da ihnen weder bekannt ist, wer im einzelnen die Benutzer der Parkflächen sind, noch wo diese ihre Fahrzeuge genau abgestellt haben.[18] Durch den herbeigerufenen G und die Weigerung seinerseits den S, ohne Zahlung des Parktarifs, aus dem Parkhaus fahren zu lassen, hört die Anonymität des Parkvorgangs in diesem Fall auf, und G zeigt mit seinem Verhalten eindeutig Besitzbegründungswillen am Auto des S. W, vertreten durch G, hat damit gem. § 854 I Besitz am Auto des S in Form eines qualifizierten Mitbesitzes erlangt.

Die Anspruchsvoraussetzungen des § 985 sind gegeben.

 

III. Besitzerwerb für eine juristische Person

Fraglich ist jedoch, ob G als Vertreter des W, hier den qualifizierten Mitbesitz für W erlangt hat und dieses dadurch selbst Mitbesitzer geworden ist.

Dann müßte das Warenhaus eine rechtsfähige juristische Person sein, und G ein im Rahmen der ihm zustehenden Vertretungsmacht handelndes Organ dieser jur. Person sein. Die von Organen jur. Personen ausgeübte Sachherrschaft wird der jur. Person zugerechnet, so daß diese Besitzer ist.[19]

G ist vorliegend als Geschäftsführer aufgetreten. Zu den rechtsfähigen jur. Personen des Privatrechts gehört auch die GmbH (§ 13 I GmbHG)[20], die gem. § 6 I GmbHG einen oder mehrere Geschäftsführer haben muß. Geschäftsführer sind als gesetzliche Vertreter der GmbH (§ 26 II S. 1) die handelnden Organe, die gem. § 35 I GmbHG sowohl für die (interne) Geschäftsführung als auch für die (externe) Vertretung zuständig sind.[21] Der Sachverhalt läßt darauf schließen, daß G hier als gesetzlicher Vertreter des Warenhauses auftritt und für dieses handelt, als er S an der Ausfahrt hindert. Es ist somit davon auszugehen, daß es sich beim Warenhaus um eine GmbH (§ 35 I GmbHG) und damit auch um eine rechtsfähige jur. Person handelt. G hat folglich den qualifizierten Mitbesitz für das W erlangt, so daß dieses selbst Mitbesitzer geworden ist.

 

IV. Besitzrecht des W gem. § 986 I S. 1, 1. Alt.

Der Herausgabeanspruch des S könnte durch ein dem W, vertreten durch G, zustehendes Besitzrecht am PKW gem. § 986 I S. 1, 1. Alt. ausgeschlossen sein.

Die Vindikation ist überall da ausgeschlossen, wo der Eigentümer dem Besitzer gegenüber durch ein besonderes, durch Besitzüberlassung ausgeführtes Schuldverhältnis gebunden ist und seine Eigentümerstellung sich dadurch geändert hat.[22] § 986 ist demzufolge aufgrund der Schutzwürdigkeit des Besitzers als Einwendung aufzufassen.[23] Ein solches Besitzrecht des W, vertreten durch G, könnte sich hier aus Vertrag als einem obligatorischen Recht ergeben.

 

1. Besitzrecht aus Vermieterpfandrecht gem. § 559

W, vertreten durch G, könnte aufgrund eines Vermieterpfandrechts gem. § 559 zum Besitze des Fahrzeugs berechtigt sein. Dann müßte zunächst zwischen W, vertreten durch G, und S ein wirksamer Mietvertrag zustandegekommen sein.

 

a. Abschluß eines Mietvertrages gem. § 535

W, vertreten durch G, und S müßten sich über die essentialia negotii eines Mietvertrages gem. § 535 geeinigt haben. Dann müßte sich W, vertreten durch G, als Vermieter verpflichtet haben, S den Gebrauch einer Stellfläche zu gewähren, und S müßte sich als Mieter verpflichtet haben, den vereinbarten Mietzins zu zahlen.

Der Vertragsschluß setzt ausdrückliche oder schlüssige, inhaltlich übereinstimmende und mit Bezug aufeinander abgegebene Willenserklärungen voraus, die entsprechend ihrer zeitlichen Folge Angebot und Annahme genannt werden.[24]

 

aa. Angebot des W gem. § 145

Es müßte zunächst ein Angebot, dessen Inhalt auf den Abschluß eines Mietvertrages gem. § 535 gerichtet war, abgegeben worden sein.

 

aaa. Äußerer Erklärungstatbestand

In der Ausschilderung des Parkplatzes, der Aushängung der grünen Tafel mit dem Wort „frei“ und des Parkgebührentarifs könnte ein konkludentes Angebot nach § 145 seitens des W liegen. Ein Angebot ist eine empfangsbedürftige Willenserklärung, deren Gegenstand und Inhalt vollständig gefaßt sein müssen, so daß der Vertrag durch die einfache Zustimmungserklärung des Empfängers - ohne irgendwelche Zusätze - zustande kommen kann.[25] Das Angebot ist normalerweise nur dann hinreichend bestimmt, wenn es auch die Person des Vertragspartners erkennen läßt.[26]

Fraglich ist daher, ob hier ein Angebot i. S. d. § 145 vorliegt, oder ob es sich möglicherweise lediglich eine „invitatio ad offerendum“ des W handelt, W also mittels dieser Offerte einer unbestimmten Vielzahl potentieller Kunden die Nutzung des Parkhauses nahelegt, um sie ihrerseits aufzufordern Angebote abzugeben. Ob eine Willenserklärung vorliegt oder ein Verhalten gegeben ist, daß der Vertragsanbahnung dient, ist im Wege der Auslegung unter Berücksichtigung der Einzelumstände und der Verkehrssitte zu ermitteln; die §§ 133, 157 gelten entsprechend.[27]

Folgte man hier der Auffassung, die in ähnlichen Fällen eine „invitatio ad offerendum“ sieht[28], dann hätte W durch das Zurverfügungstellen der Parkplätze lediglich einen Vertragsschluß angebahnt, es hätte folglich keinen Rechtsbindungswillen und hätte auch noch keine Willenserklärung auf Abschluß eines Vertrages abgegeben, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, größere vertragliche Pflichten einzugehen, als es in der Lage ist zu erfüllen. Die h. L. geht in solchen Fällen von einer Offerte „ad incertas personas“ aus.[29]

Das Aushängen des Parkplatzschildes, der Tafel mit dem Wort „frei“ und des Parkgebührentarifs wird seitens des W an einen unbestimmten Personenkreis mit der Maßgabe gerichtet, daß es jedem gegenüber gelten soll, der es solange noch freie Stellplätze vorhanden sind, annehmen werde. S als Empfänger hat diese Bedeutung der Parkplatzbeschilderung auch als Zurverfügungstellung von Parkraum begriffen.

Nach allgemeiner Lebenserfahrung kann damit gerechnet werden, daß bei der kapazitätsmäßig vollständigen Auslastung eines Parkhauses üblicherweise ein Zeichen mit der Aufschrift „besetzt“ erscheint oder das Lösen eines Parkscheins nicht mehr möglich ist, und somit ein Parkhausbetreiber erklärt, nicht mehr bereit zu sein, einen Vertragsschluß einzugehen (oder seine Erklärung gem. § 130 I S. 2 widerruft) und die parkwilligen Autofahrer schon an der Einfahrt hindert. Damit ist eine Unmöglichkeit der Vertragserfüllung von vornherein ausgeschlossen, das Argument der Vertreter einer „invitatio ad offerendum“ greift also nicht. Daher wird hier der zweiten Meinung gefolgt.

W verfügt demnach über einen Rechtsbindungswillen und hat ein Angebot gem. § 145 abgegeben.

Des weiteren ist fraglich, ob das Angebot des W auch hinsichtlich des etwas versteckt hängenden Parkgebührentarifs bestimmt war. Mit dem Parkgebührentarif bestimmt W hier ziffernmäßig den zu zahlenden Geldbetrag. Damit ist das Angebot auch diesbezüglich bestimmt. Nach § 130 I wird eine empfangsbedürftige Willenserklärung erst wirksam, wenn sie dem anderen zugeht.[30] S fand in der Aachener Innenstadt das Parkhaus des W und laß die Ausschilderung. Durch die übliche Ausschilderung des Parkhauses ist also das Angebot des W, auch bezüglich des versteckt hängenden Parkgebührentarifs, derart in den Machtbereich des S gelangt, daß er die Möglichkeit zur Kenntnisnahme hatte. Damit ist das Angebot des W dem S auch zugegangen und gem. § 130 I S. 1 wirksam geworden.

 

bbb. Inhalt gerichtet auf Abschluß eines Mietvertrages gem. § 535

W müßte sich durch das Angebot bereiterklärt haben, S den Gebrauch einer Stellfläche während der Mietzeit zu gewähren (§ 535 S. 1) und sie in diesem Zeitraum im vertragsmäßigen Zustand zu erhalten (§ 536).

Zunächst müßte es sich beim Parkraum des Parkhauses des W um eine Mietsache i. S. d. § 535 S. 1 handeln. Die Miete bezieht sich nur auf Sachen, d. h. auf körperliche Gegenstände (§90) oder auf Teile von Sachen.[31] Die einzelne Parkstelle eines Parkhauses ist nach allgemeiner Lebenserfahrung nur durch angebrachte Markierungen abgegrenzt, ansonsten sind die Flächen üblicherweise mit dem Parkhausgebäude fest verbunden, bilden also eine natürliche Sacheinheit und könnten nicht vom Parkhaus getrennt werden, ohne das dieses erheblich zerstört und unbenutzbar werde. Folglich ist die einzelne Parkstelle ein wesentlicher Bestandteil des Parkgebäudes i. S. d. § 93 und damit auch eine Mietsache gem. § 535 S. 1.

W als Vermieter müßte dem S die Parkfläche zum Gebrauch überlassen haben. Nach dem Lösen einer Einlaßkarte parkte S sein Auto im Parkhaus und ließ es dort über Nacht stehen, bis er es am nächsten Tag abholte. W hatte also S die Parkstelle in einer Weise zur Verfügung gestellt, die es S erlaubte, ohne weiteres den vertragsmäßigen Gebrauch der Sache auszuüben. Damit hatte S unmittelbaren Besitz nach § 854 I an der Parkfläche erlangt, und W folglich die Pflicht der Gebrauchsüberlassung erfüllt. Hinsichtlich der Erhaltung der Parkfläche in einem zum vertragsmäßigen Gebrauch geeigneten Zustand seitens des W, vertreten durch G, macht der Sachverhalt keine Angaben; eine Störung liegt nicht vor. Hier wird davon ausgegangen, daß W, vertreten durch G, auch diese Verpflichtung gem. § 536 erfüllt hat. Das Angebot des W war folglich inhaltlich auf den Abschluß eines Mietvertrages gem. § 535 gerichtet.

 

bb. Annahme des S gem. § 151 S. 1

 

S müßte den Antrag des W uneingeschränkt und vorbehaltlos angenommen haben, sich also verpflichtet haben den Mietzins gem. § 535 S. 2 zu entrichten.

 

aaa. Äußerer Erklärungstatbestand

S könnte durch das Ziehen der Einlaßkarte und das Benutzen des Parkhauses, das von W gemachte Angebot gem. § 151 S. 1 angenommen haben. Als Annahme gilt auch ein sog. schlüssiges Verhalten gegenüber dem Antragenden (§ 151 S. 1), das nach obj. Gesichtspunkten auf den Willen schließen läßt, einen angetragenen Mietvertrag eingehen zu wollen[32]. Maßgeblich ist dabei das Vorhandensein eines wirklichen Annahmewillens und seiner objektivierbaren Betätigung nach außen.[33]

S sah die Zurverfügungstellung kostenlosen Parkraums seitens des W als „lobenswerte Serviceleistung“ an, zog die Einlaßkarte und benutzte das Parkhaus. Durch diese nach außen in Erscheinung getretene Gebrauchshandlung des S, wird deutlich, daß er über den Willen verfügte, das Angebot des W anzunehmen, und diesen damit auch betätigte. Folglich hat S hier durch sein schlüssiges Verhalten das Angebot des W gem. § 151 S. 1 angenommen. Das Ziehen der Einlaßkarte und das benutzten des Parkhauses durch S, wird hier von niemandem beobachtet. Nach allgemeiner Verkehrssitte ist der Zugang einer schlüssigen Annahme, wie sie sich vorliegend durch die Gebrauchshandlung des S äußert, an den Vorstand des Warenhauses nicht üblich. Demnach ist hier gem. § 151 S. 1 ein Zugang der Annahme nach der Verkehrssitte nicht zu erwarten.

 

bbb. Inhalt gerichtet auf Abschluß eines Mietvertrages gem. § 535

Die konkludent erfolgte Annahme des S müßte inhaltlich mit dem Angebot des W übereinstimmen. Dann müßte S sich verpflichtet haben die Parkgebühr von 20,-- DM als Mietzins zu zahlen.

Fraglich ist hier, ob hinsichtlich des etwas versteckt aushängenden Parkgebührentarifs, den S übersah, eine Einigung zwischen W, vertreten durch G, und S zustandegekommen ist.

 

aaaa. Vorliegen allgemeiner Geschäftsbedingungen

Der etwas versteckt ausgehängte Parkgebührentarif könnte hier gem. § 2 I AGBG Bestandteil des Vertrages geworden sein.

Dann müßte der Parkgebührentarif zunächst eine AGB nach § 1 I sein. AGB sind alle für eine Vielzahl von Verträgen einseitig vorgefertigte Vertragsbedingungen, die eine Vertragspartei (Verwender) der anderen bei Abschluß des Vertrages gestellt hat (§ 1 I S. 1 AGBG).[34] Der seitens des W aufgestellte Parkgebührentarif richtet sich an alle Benutzer des Parkhauses und soll für jeden gleich gelten (s. o. A I 1). Der Parkgebührentarif enthielt schriftlich fixierte Ziffern der zu bezahlenden Geldbeträge. W hat ihn somit ihrerseits (einseitig) mit der Absicht aufgestellt, ihn für eine Vielzahl von Verträgen zu verwenden. Folglich war der von S zu zahlende Parkgebührentarif auch eine Vertragsbedingung, also eine AGB i. S. d. § 1 AGBG.

Des weiteren müßte W den S gem. § 2 AGBG ausdrücklich darauf hingewiesen haben, daß der Vertag unter Zugrundelegen ihrer AGB abgeschlossen werden soll. Ausdrücklich ist der Hinweis auch, wenn der Kunde durch einen deutlich sichtbaren Aushang am Ort des Vertragsschlusses, rechtzeitig vor Vertragsschluß, auf die AGB hingewiesen wird (§ 2 I Nr. 1 AGBG), so daß in zumutbarer Weise Kenntnis genommen werden kann (§ 2 I Nr. 2 AGBG).[35] Der von W aufgestellte Parkgebührentarif hing versteckt, so daß er von S völlig übersehen wurde, was das Mißverständnis über die Unentgeltlichkeit des Vertrages bei S auslöste. Unter diesen Umständen konnte S nicht zugemutet werden, Kenntnis von dem Parkgebührentarif zu nehmen. Dieser ist somit nicht in den Vertrag mit einbezogen worden.

Ist eine Klausel nicht oder nicht wirksamer Bestandteil des Vertrages geworden, bleibt der Vertrag nach § 6 I AGBG im übrigen wirksam.[36] Anstelle der nichtigen Klauseln treten gem. § 6 II AGBG gesetzliche Vorschriften. Der Mieter ist gem. § 535 S. 2 zur Zahlung des Mietzinses verpflichtet. Weiteres ist durch das Gesetz nicht geregelt. Die ersatzlose Streichung der unwirksamen Klausel würde hier, zumal W bereits die erforderlichen Leistungen erfüllt hatte, zu einem interessenwidrigen Ergebnis führen. Wenn die Regelungslücke des Vertrages nicht durch konkrete materiell-rechtliche Regelungen dispositiven Rechts geschlossen werden kann, kommt eine ergänzende Vertragsauslegung (§§ 157, 133) nach dem vermutlichen Parteiwillen in Betracht.[37] Die wegen der nichteinbezogenen Klausel über das Entgelt auftretende Lücke wird so zu schließen sein, daß die angemessene oder übliche Vergütung zum Ansatz gebracht wird.[38]

 

bbbb. Konkludente Einverständniserklärung

S könnte dennoch konkludent eine Einverständniserklärung hinsichtlich der Einbeziehung des Parkgebührentarifs als AGB abgegeben haben.

Dann müßte er den Geschäftswillen zum Abschluß eines Mietvertrages gem. § 535 mit diesem Inhalt gehabt haben. Als Geschäftswillen bezeichnet man den Willen, mit der Erklärung eine bestimmte Rechtsfolge herbeizuführen.[39]

Wie zuvor bereits erläutert (s. o. aaaa), unterlag S einem Mißverständnis bezüglich der Unentgeltlichkeit der Parkhausbenutzung. Einen Mietvertrag, der ihn zur Zahlung des Mietzinses verpflichtete, wollte S daher gar nicht eingehen, lediglich einen unentgeltlichen Gebrauch des Parkhauses (Leihe gem. § 598). Einen Rechtsfolgewillen wollte S also äußern, aber keinen mit diesem bestimmten Inhalt der Zahlungsverpflichtung. Folglich fehlte S der Geschäftswille zum Abschluß eines Mietvertrages.

W, vertreten durch G, hatte jedoch bereits seine Verpflichtungen aus dem Mietvertrag (s. o. C III 1 a. aa. aaa.) erfüllt, so daß bei der Abholung des PKW, die Benutzung des Parkraums durch S nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Der subjektiv abweichende Wille des S, änderte also nichts an seiner konkludent abgegebenen Annahme, die objektiv auf einen Geschäftswillen, und damit auf die Kenntnis der Einbeziehung des Parkgebührentarifs, schließen ließ. Folglich war S an die von ihm konkludent abgegebene Annahme gebunden. Nach objektiven Gesichtspunkten, ist hier also das Verhalten des S, auch bezüglich des etwas versteckt hängenden Parkgebührentarifs, als Annahme des von W unterbreiteten Angebots zu werten.

 

b. Nichtigkeit des Mietvertrages gem. § 142 I

Der zwischen W und S abgeschlossene Mietvertrag könnte, durch eine Anfechtung der Annahmeerklärung des S, gem. § 142 I mit rückwirkender Kraft („ex tunc“) nichtig geworden sein.

 

aa. Vernichtbarkeit der Annahmeerklärung

Dann müßte die Annahmeerklärung des S zunächst einen Mangel aufweisen. Wie zuvor bereits erörtert (s. o. bbbb.) besteht zwischen der Annahmeerklärung und dem Geschäftswillen des S eine unbewußte Diskrepanz. Damit liegt hier ein Irrtum bei der Annahmeerklärung des S vor.

Bei den Willensmängeln, die das Gesetz für beachtlich hält, wird ein Mittelweg zwischen Gültigkeit und Nichtigkeit der Erklärung eingeschlagen, um sowohl den Interessen des Erklärenden als auch denen des Empfängers Rechnung zu tragen: Die Willenserklärung ist gültig, aber vernichtbar; sie kann durch Anfechtung vernichtet werden.[40] Die Nichtigkeit der Annahmeerklärung des S, würde hier gem. § 142 I auch zur Nichtigkeit des Rechtsgeschäfts führen, dessen Bestandteil sie war. Ein Anfechtungsrecht ist also nur gegeben, wenn ein Vertrag durch zwei objektiv übereinstimmende Willenserklärungen (Angebot und Annahme) wirksam zustandegekommen ist.[41] Eine gültige, mit dem Inhalt des Angebots objektiv übereinstimmende, Annahmeerklärung des S liegt hier vor (s. o.), so daß der Mietvertrag gem. § 535 zwischen W und S wirksam zustandegekommen ist. Folglich ist die Anfechtung der Annahmeerklärung seitens des S zulässig.

 

bb. Anfechtung der Annahmeerklärung gem. §§ 119 I Alt. 1, 142 I

S könnte die von ihm zur Begründung des Vertrages abgegebene Willenserklärung gem. §§ 119 I Alt. 1, 142 I wirksam angefochten haben. Zunächst müßten die Voraussetzungen einer wirksamen Anfechtung vorliegen.

 

aaa. Anfechtungsgrund gem. § 119 I Alt. 1

S könnte sich hier bei der Abgabe der Annahmeerklärung über dessen Inhalt gem. § 119 I Alt. 1 im Irrtum befunden haben. Beim Inhaltsirrtum gebraucht der Erklärende zwar den Erklärungstatbestand, er mißt diesem Erklärungstatbestand aber einen anderen Sinn bei, als ihm objektiv zukommt.[42]

Durch das Benutzen des Parkhauses will S eine „kostenlose Serviceleistung“ in Anspruch nehmen, erklärt damit aber konkludent sein Einverständnis mit der Mietpreiszahlung. Wie bereits erörtert (s. o. bb.) weicht hier der im äußeren Tatbestand durch das Verhalten zum Ausdruck gekommene Geschäftswille des S, unbewußt von dem eigentlich gewollten ab. Ein Anfechtungsgrund gem. § 119 I Alt. 1 ist hier also gegeben.

 

bbb. Kausalität gem. § 119 I

Voraussetzung ist weiter, daß S die Annahmeerklärung bei Kenntnis der Sachlage und verständiger Würdigung des Falles nicht abgegeben hätte, § 119 I.

S erklärte, er hätte das Parkhaus nicht benutzt und den Parkschein nicht gelöst, wenn er die Gebührenpflichtigkeit gekannt hätte, sondern sein Auto außerhalb der Innenstadtzone unentgeltlich abgestellt. S hätte folglich die Annahmeerklärung bei Kenntnis des Irrtums nicht abgegeben. Der Irrtum bezog sich hier auf einen Hauptvertragspunkt (Mietzins) und war damit auch objektiv erheblich. Der Irrtum des S war also ursächlich für seine Annahmeerklärung. Die Kausalität gem. § 119 I liegt somit vor.

ccc. Anfechtungserklärung gem. § 143 I

Des weiteren müßte seitens des S eine unverzügliche (§ 121 I S. 1) Anfechtungserklärung gegenüber W gem. § 143 I erfolgt sein.

Die Anfechtungserklärung könnte hier in der Zahlungsweigerung und der Erklärung des S liegen, er hätte bei Wissen über die Vergütungspflicht das Parkhaus nicht benutzt und den Parkschein nicht gelöst. Die Anfechtungserklärung ist eine empfangsbedürftige Willenserklärung (§ 143 I), die dem Anfechtungsgegner zugehen muß, und lediglich zum Ausdruck bringen soll, daß die Willenserklärung wie abgegeben nicht mehr gelte.[43] S läßt durch die Zahlungsverweigerung und die damit verbundene Begründung eindeutig erkennen, daß seine konkludente Annahmeerklärung aufgrund des Irrtums, rückwirkend wieder beseitigt werden soll. Eine Anfechtungserklärung liegt damit vor.

S müßte diese Anfechtungserklärung nach § 121 I S. 1 unverzüglich, d. h. ohne schuldhaftes Zögern erklärt haben. S erklärte die Anfechtung seiner Annahmeerklärung sofort, nachdem ihm der Kassierer die Ausfahrt verweigerte, er also Kenntnis von dem Irrtum über die Unentgeltlichkeit des Parkens erlangte. Folglich ist hier auch die Anfechtungsfrist gem. § 121 I S. 1 gewahrt.

 

ddd. Anfechtungsgegner gem. § 143 II

S müßte die Anfechtungserklärung gem. § 143 I gegenüber dem Anfechtungsgegner abgegeben haben. Beim Vertrag ist der Anfechtungsgegner der andere Vertragsteil, § 143 II. Demnach ist W hier Anfechtungsgegnerin. S gibt aber seine Anfechtungserklärung gegenüber dem Kassierer und dem Geschäftsführer ab.

Fraglich ist, ob G als Vertreter des W zur Entgegennahme von Willenserklärungen gem. § 164 III berechtigt war. G vertritt hier die Interessen des Warenhauses nach außen, so daß S davon ausgehen konnte, er handele als Geschäftsführer, wie bereits erläutert (s. o. C III), im Namen des Warenhauses und mit Vertretungsmacht (§ 164 I, § 26 II S. 1). Das rechtsgeschäftliche Handeln des Vertreters besteht darin, daß er eigene Willenserklärungen abgibt (sog. Aktivvertretung) und entgegennimmt (sog. Passivvertretung).[44]

Laut Sachverhalt konnte S folglich davon ausgehen, daß G als Geschäftsführer hier gesetzliche Vertretungsmacht aus Organstellung hatte. G war damit Empfangsvertreter der W gem. § 164 III und hat die Anfechtungserklärung des S zur Kenntnis genommen. Die Anfechtungserklärung des S ist hier somit bereits mit Zugang bei G als Vertreter der W wirksam geworden.

 

eee. Ergebnis der Anfechtung gem. §§ 119 I Alt. 1, 142 I

Die Voraussetzungen der Anfechtung sind hier erfüllt. S hat folglich seine Annahmeerklärung gem. §§ 119 I Alt. 1, 142 I wirksam angefochten. Obwohl der zur Anfechtung berechtigende Willensmangel die Willenserklärung betrifft, ist § 142 I kein besonderer Nichtigkeitsgrund für die einzelne Willenserklärung, sondern für den Vertrag als Rechtsgeschäft.[45]

Der zwischen W und S geschlossene Mietvertrag ist daher gem. § 142 I ex tunc nichtig geworden. W, vertreten durch G, ist damit nicht gem. § 559 zum Besitz des PKW berechtigt.

 

2. Zurückbehaltungsrechte gem. §§ 273, 1000

Fraglich ist, ob W, vertreten durch G, auch gem. §§ 273, 1000 ein Besitzrecht hat.

Die Rechtsprechung geht davon aus, daß die Zurückbehaltungsrechte gem. §§ 273, 1000 ein Recht zum Besitz ergeben.[46] Dieser Auffassung zufolge wäre im vorliegenden Fall der Herausgabeanspruch des S ausgeschlossen, wenn der W, vertreten durch G, ein Zurückbehaltungsrecht aus §§ 273, 1000 zustünde.

Die in der Literatur h. M. geht davon aus, Zurückbehaltungsrechte gem. §§ 273, 1000 seien nur im Wege der Einrede geltend zu machen. Im Gegensatz zu den Einwendungen aus § 986 sei der Herausgabeanspruch durch Einreden nicht ausgeschlossen, letztere hinderten lediglich seine Durchsetzung.[47] Danach könnte W, vertreten durch G, die Durchsetzung des Herausgabeanspruchs auf eine Zug-um-Zug-Leistung einschränken (§ 274 I) oder einen Verwendungsersatz verlangen (§ 1000 S. 1 i. V. m. § 994 I S. 1). W, vertreten durch G, könnte also, durch die Beschränkung der Durchsetzbarkeit des Herausgabeanspruchs, die er mit der Geltendmachung des Zurückbehaltungsrechts erreicht, eine gewisse Sicherung für die eigenen Forderungen erhalten. Daher wird hier der Literaturmeinung gefolgt und die Zurückbehaltungsrechte des W, vertreten durch G, als Einrede behandelt.

 

3. Ergebnis zum Besitzrecht gem. § 986 I S. 1, 1. Alt.

W, vertreten durch G, hat aufgrund der ex tunc Nichtigkeit des Mietvertrages kein Besitzrecht aus einem obligatorischen Vertrag. Der Herausgabeanspruch des S ist hier nicht gem. § 986 I S. 1, 1. Alt. durch ein Recht zum Besitz ausgeschlossen. Die Vindikationslage ist also gegeben.

S kann gem. § 985 Herausgabe seines Pkw verlangen.

 

V. Durchsetzbarkeit des Herausgabeanspruchs

Der Herausgabeanspruch des S gem. § 985 müßte durchsetzbar sein, d. h. W, vertreten durch G, dürfte keine Zurückbehaltungsrechte gem. §§ 273, 1000 im Wege der Einrede geltend gemacht haben.

 

1. Zurückbehaltungsrecht gem. § 1000 S. 1 i. V. m. § 994 I S. 1

W, vertreten durch G, könnte gem. § 1000 S. 1 die Herausgabe verweigern, wenn er von S gem. § 994 I S. 1 einen Ersatz der notwendigen Verwendung für die Unterstellung des Autos S verlangen kann.

Die Voraussetzung der Vindikationslage liegt hier vor (s. o. III 3). Dann müßte die Zurverfügungstellung des Parkraums eine, seitens des W ersatzfähig getätigte, notwendige Verwendung gem. § 994 I S. 1 gewesen sein. Notwendige Verwendungen sind Vermögensaufwendungen, die einer bestimmten Sache zugute kommen, indem sie darauf abzielen, diese in ihrem Bestand zu erhalten oder wiederherzustellen, oder die ordnungsgemäße Bewirtschaftung der Sache in der bisherigen Art und Weise objektiv zu ermöglichen.[48]

W gestattete S, sein Auto im zentrumsnahen Parkhaus abzustellen. Daneben mußte W objektiv keine weiteren Maßnahmen ergreifen, die dem Erhalt oder der Nutzungsmöglichkeit des Pkw gedient hätten, und die S als Eigentümer auch unternommen hätte. Es ist nicht notwendig, ein Kraftfahrzeug zu seiner Erhaltung unterzustellen, wie u. a. auch schon die Vielzahl der im Freien geparkten Wagen zeigt.[49] Die Zurverfügungstellung des zentrumnahen Parkraums ist demnach keine ersatzfähige Verwendung i. S. d. § 994 I S. 1.

W, vertreten durch G, kann folglich nicht gem. § 1000 S. 1 die Herausgabe des Autos verweigern.

 

2. Zurückbehaltungsrecht gem. § 273 I

W, vertreten durch G, könnte gem. § 273 I ein Zurückbehaltungsrecht zustehen und G könnte einen derartigen Willen deutlich kundgetan haben.

Nach § 273 I hat der Schuldner das Recht, die geschuldete Leistung solange zu verweigern, bis eine ihm gebührende Leistung bewirkt wird, wenn er aus demselben rechtlichen Verhältnis, auf dem seine Verpflichtung beruht, einen fälligen Anspruch gegen den Gläubiger hat.[50] Dann müßte W, vertreten durch G, zunächst ein fälliger Gegenanspruch gegen S zustehen. D. h. W, vertreten durch G, und S müßten einander gegenseitige Leistungen schulden. Fällig ist der Gegenanspruch, wenn der Schuldner vom Gläubiger Erfüllung begehren kann.[51] Es genügt, wenn der Anspruch des Schuldners gleichzeitig mit Erfüllung der von ihm geschuldeten Leistung entsteht oder fällig wird.[52]

 

a. Gegenanspruch aus § 122 I

W, vertreten durch G, könnte einen Anspruch auf Ersatz des Vertrauensschadens gem. § 122 I haben. Vertrauensschaden ist der Schaden, der dem Anspruchsberechtigten durch das Vertrauen auf die Gültigkeit des Vertrages entstanden ist (sog. negatives Interesse).[53]

Wie bereits dargestellt, hatte S seine Annahmeerklärung angefochten (s. o. III b) und der Mietvertrag war von Anfang an nichtig. W, vertreten durch G, hatte aber bereits aufgrund des später nichtig gewordenen Mietvertrages S den Gebrauch des Parkraums gewährt, seinerseits also an S geleistet. Laut Sachverhalt, war jedoch das Parkhaus nicht ausgelastet. Dem W, vertreten durch G, sind folglich keine Einnahmen dadurch entgangen, daß mit Rücksicht auf den mit S geschlossenen Mietvertrag, andere Kunden abgelehnt worden sind. Ein negatives Interesse ist damit nicht gegeben.

W, vertreten durch G, hat also keinen Anspruch auf Ersatz des Vertrauensschadens gem. § 122 I und damit auch kein darauf gestütztes Gegenrecht.

 

b. Gegenanspruch aus § 823 I i. V. m. § 249 S. 1

W, vertreten durch G, könnte einen Schadensersatzanspruch aus Eigentumsverletzung gem. § 823 I haben.

Nach dem allgemeinen Sprachgebrauch und nach allgemeiner differenzierender Terminologie des § 823, ist der Schaden von der Verletzung des Rechtsgutes zu unterscheiden. Hiernach kann eine schuldhafte Rechtsverletzung vorliegen und dennoch ein Schadensersatzanspruch zu verneinen sein.[54] Unter Schaden versteht man jede unfreiwillige Einbuße an Gütern. [55] Das Parkhaus war, wie bereits dargestellt, nicht ausgelastet, so daß andere Kunden nicht abgewiesen werden mußten. Hier liegt also kein Schaden vor. W, vertreten durch G, hat auch kein Gegenrecht aus § 823 I.

 

c. Gegenanspruch aus § 812 I S. 1 Alt. 1 i. V. m. § 818 II

W, vertreten durch G, könnte gem. § 818 II für die Nutzung der Parkfläche von S Wertersatz verlangen.

Dann müßte S durch die Leistung des W ohne rechtlichen Grund einen Vermögensvorteil gem. § 812 I S. 1 Alt. 1 erlangt haben. Ein Vermögensvorteil ist auch bei demjenigen gegeben, der ohne die Leistung des anderen Aufwendungen gemacht hätte, um den gleichen Erfolg zu erreichen.[56] S hätte, wie bereits erläutert, bei Kenntnis der Zahlungspflicht außerhalb der gebührenpflichtigen Innenstadtzone geparkt. Folglich hätte S, auch bei der Inanspruchnahme anderer Parkmöglichkeiten, keine Parkgebühren gezahlt. S hat also durch die Zurverfügungstellung des Parkraums seitens des W keine Aufwendungen erspart. Damit hat S keinen Vermögensvorteil durch die Benutzung der von W bereitgestellten Parkfläche erlangt; eine Bereicherung des S durch W liegt nicht vor. W, vertreten durch G, kann somit auch keinen Wertersatz gem. § 818 II verlangen. Ein Gegenrecht auch § 812 I S. 1 Alt. 1 i. V. m. § 818 II ist hier nicht gegeben.

W, vertreten durch G, hat demzufolge keinen fälligen Gegenanspruch. Ein Zurückbehaltungsrecht gem. § 273 I steht W, vertreten durch G, hier nicht zu.

 

3. Ergebnis der Durchsetzbarkeit des Herausgabeanspruchs

W, vertreten durch G, hat hier keine Zurückbehaltungsrechte gem. § 1000 S. 1 i. V. m. § 994 I S. 1 und § 273 I im Wege der Einrede geltend gemacht. Der Herausgabeanspruch des S gem. § 985 ist daher durchsetzbar.

 

D. Herausgabeanspruch wegen unerlaubter Handlung

(Die Prüfung des § 823 als Herausgabeanspruch ist falsch, s. Korrekturanmerkungen!)

S könnte dadurch, daß G ihm die Ausfahrt aus dem Parkhaus verweigerte, einen Anspruch auf Herausgabe des Wagens gem. § 823 I haben.

 

I. Konkurrenzen

Fraglich ist hier jedoch, ob die unmittelbare Anwendung des § 823 I ein Durchbrechen des Ausschließlichkeitsgrundsatzes der §§ 987 ff. darstellt. Die §§ 987 ff. enthalten für das Verhältnis des Eigentümers zum Besitzer erschöpfende Sonderregelungen, die alle aus einem solchen Verhältnis entstehenden Nebenansprüche regeln, und weitergehende Ansprüche aus allgemeinen Vorschriften, insbesondere solchen aus unerlaubter Handlung und Bereicherung nach § 993 I ausschließen.[57] Eine Vindikationslage ist hier wie zuvor festgestellt gegeben. G ist jedoch, wie bereits erörtert (s. B III), als Geschäftsführer (Organ) des W, einer jur. Person, nicht selbst Besitzer i. S. d. § 985, er übt vielmehr den Mitbesitz am Auto für das W aus. Derjenige, der schuldhaft bei der Entziehung des Eigentums eines Dritten mitgewirkt hat, ohne selbst Besitz zu erlangen, haftet dem Eigentümer unmittelbar nach § 823 I auf Schadensersatz.[58] § 992 verweist hier somit, unabhängig davon, ob gleichzeitig eine Vindikationslage entsteht und ob dessen Haftungsvoraussetzungen erfüllt sind, auf die Deliktsvorschrifen der §§ 823 ff. S könnte also einen Anspruch aus den §§ 992, 823 I auf Schadensersatz haben. Der Schadensersatzanspruch richtet sich grundsätzlich nach den §§ 249 ff.

 

II. Objektiver Tatbestand

G müßte objektiv durch eine Verletzungshandlung einen Schaden für S verursacht haben. Handlung ist jedes menschliche Verhalten (Tun oder Unterlassen), sofern es vom Willen beherrschbar ist.[59]

In Frage kommt hier eine Eigentumsverletzung. Eine Verletzung des Eigentums liegt vor, wenn jemand den Eigentümer in seiner Befugnis beeinträchtigt, mit der Sache (§ 90) nach Belieben zu verfahren und andere von jeder Einwirkung auszuschließen (§ 903).[60] Eine Eigentumsverletzung liegt auch vor, wenn ein anderer derart auf die Sache einwirkt, daß diese von ihrem Eigentümer nicht mehr bestimmungsgemäß gebraucht werden kann.[61]

Mit der Verweigerung der Ausfahrt, hinderte G jede Bewegungsmöglichkeit des von S betriebenen Fahrzeugs außerhalb des Parkhauses. Damit konnte S das Auto nicht mehr als Transportmittel benutzen. Sein bestimmungsgemäßer Gebrauch war damit vorübergehend ganz entzogen. S war in Aachen fremd und verstand auch die Sprache nicht besonders gut. Er war zur eigenwirtschaftlichen Lebenserhaltung auf sein Fahrzeug angewiesen. In der Zeit, die er aufgrund der Ausfahrtverweigerung im Parkhaus verbrachte, hätte er sein Auto genutzt. So ist auch für den privaten Benutzer sein Kraftfahrzeug nicht nur oft der gewichtigste Bestandteil seines Vermögens, sondern die Ersatzfähigkeit des Fahrzeugs ist häufig die Grundlage für die Wirtschaftlichkeit seiner hierauf zugeschnittenen Lebenshaltung.[62] Ein ersatzfähige Eigentumsverletzung durch G ist also erfolgt.

Die „Einsperrung“ des Wagens, stellte sich demnach als eine die Eigentümerbefugnisse des S treffende tatsächliche Einwirkung (ein positives Tun) dar. Sie kann also nicht hinweggedacht werden, ohne die Eigentumsverletzung des S entfiele. Das Handeln des G war damit Conditio sine qua non für die Eigentumsverletzung des S und kann G daher auch unmittelbar zugerechnet werden. Eine äquivalente Kausalität liegt vor. Der objektive Tatbestand ist somit gegeben. G muß folglich den Entziehungsschaden ersetzen. Das Warenhaus haftet hier gem. § 31 unmittelbar für G als seinen gesetzlicher Vertreter (s. o. B III). S muß gem. § 249 S. 1 so gestellt werden, als wäre der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten.

W, vertreten durch G, muß damit das Auto auf Gefahr und Kosten des Warenhauses zurückverschaffen.

 

III. Rechtswidrigkeit

Die Tatbestandmäßigkeit indiziert die Rechtswidrigkeit, da keine Rechtfertigungsgründe eingreifen.

 

IV. Verschulden

W, vertreten durch G, müßte die tatbestandsmäßige und rechtswidrige Handlung auch zu vertreten haben. Das setzt Verschuldensfähigkeit und Verschulden voraus.[63] An der Verschuldensfähigkeit des W, vertreten durch G, besteht hier kein Zweifel. Verschulden umfaßt den Vorsatz. Vorsätzlich handelt, wer erkennt, daß sein Verhalten zu einer rechtswidrigen Verletzung des Körpers, des Eigentums oder des „sonstigen Rechts“ eines anderen führen wird, und wer gleichwohl diesen Erfolg bewußt und gewollt verwirklicht.[64] G wußte hier, daß wenn er den S an der Ausfahrt hindert, dieser mit dem Auto das Parkhaus nicht verlassen konnte und hat damit den Entzug des bestimmungsgemäßen Gebrauchs beim gewöhnlichen Verlauf der Dinge voraussehen können. Er hat also die schadensverursachenden Wirkung seiner widerrechtlichen Handlung billigend in Kauf genommen. G handelte folglich vorsätzlich und damit liegt auch Verschulden vor. Die Eigentumsverletzung war daher rechtswidrig und schuldhaft.

 

V. Ergebnis

S hat somit gem. §§ 992, 823 I i. V. m. § 249 S. 1 einen Anspruch auf Schadensersatz und damit auf Herausgabe des Autos von W, vertreten durch G (§ 31).

(Dieses Ergebnis ist falsch, da § 823 I Schadensersatzanspruch ist und kein Herausgabeanspruch; s. Korrekturanmerkungen).

 

E. Herausgabeanspruch wegen ungerechtfertigter Bereicherung

S könnte von W, vertreten durch G, dadurch, daß G ihn an der Ausfahrt hindert, gem. § 812 I die Herausgabe des Autos verlangen.

 

I. Leistungskondiktion § 812 I S. 1 Alt. 1

W, vertreten durch G müßte, indem er S an der Ausfahrt hinderte, etwas durch Leistung des S erlangt haben.

Fraglich ist jedoch, ob S hier eine Leistung i. S. d. § 812 I S. 1 Alt. 1 erbracht hat. Eine Leistung i. S. d. § 812 I ist ein bewußte und zweckgerichtete Vermehrung fremden Vermögens, mit welcher der Leistende einem bestimmten Zweck erstrebt.[65] Im vorliegenden Fall verhinderte G die Ausfahrt aus dem Parkhaus und erlangte, wie zuvor festgestellt, Mitbesitz für W am Auto. Damit sollte S zur Entrichtung der Parkgebühr von 20,-- DM bewegt werden. S wollte jedoch nicht zahlen, hat den Mietvertrag auch wirksam angefochten. Ein Leistungsverhältnis zwischen ihnen besteht aufgrund des rückwirkend nichtig gewordenen Vertrages nicht. G konnte also nicht davon ausgehen, daß das W, durch die Verhinderung der Ausfahrt des von S betriebenen Fahrzeugs, eine Sicherheitsleistung zur Erfüllung einer Schuld erhalte. S hat also die Hinderung der Ausfahrt nicht gestattet, er hat G das Auto nicht zugewandt. Folglich ist eine Leistung i. S. d. § 812 I seitens des S nicht gegeben. Eine Leistungskondiktion gem. § 812 I S. 1 Alt. 1 entfällt daher.

 

II. Eingriffkondiktion § 812 I S. 1 Alt. 2

(Die Eingriffskondiktion gem. § 812 I 1 Alt. 2 ist hier wegen des EBV ausgeschlossen, s. Korrekturanmerkungen. Die nachfolgende Prüfung ist daher in diesem Zusammenhang auch falsch.)

W, vertreten durch G, könnte hier, indem G die Ausfahrt verhinderte, gem. § 812 I S. 1 Alt. 2 in ein Recht des S eingegriffen haben und auf diese Weise ohne rechtlichen Grund sein Vermögen vermehrt haben. Zunächst müßte W, vertreten durch G, etwas erlangt haben. Unter „etwas erlangt“ ist jeder Vorteil zu sehen, der das wirtschaftliche Vermögen des Begünstigten irgendwie vermehrt.[66]

G hat, wie bereits erörtert, als Geschäftsführer des W für dieses gem. § 854 I Mitbesitz am Auto, im Zeitpunkt als S das Parkhaus verlassen wollte, erlangt. Der Besitz ist ein Recht, das wirtschaftliche Vorteile verschaffen kann und dann kondizierbar ist.[67] Vorliegend war der W, vertreten durch G, nicht zum Besitz berechtigt. Der Besitz ist hier also kondizierbar.

Des weiteren müßte die Bereicherung des W, vertreten durch G, durch einen eigenmächtigen Eingriff in ein Recht des S entgegen dem Zuweisungsgehalt entstehen. Der Zuweisungsgehalt darüber, ob das Fahrzeug das Parkhaus verlassen soll oder nicht, stand nur S als Eigentümer zu. Durch die Hinderung an der Ausfahrt hat G in das Recht des S eingegriffen, mit der Sache als Eigentümer nach belieben zu verfahren. G hat damit in das Eigentumsrecht des S eingegriffen und hat Sachherrschaft am Auto ausgeübt, obwohl ihm diese ohne Gestattung des S in rechtmäßiger Weise nicht zukäme. W, vertreten durch G, hat daher, durch das Behalten des im Eigentum des S befindlichen PKW, einen Vermögensvorteil auf Kosten des S gem. § 812 I S. 1 Alt. 2 erlangt. Ein Rechtsgrund für diese Vermögensverschiebung liegt auch nicht vor. W, vertreten durch G, muß folglich gem. § 818 I das Auto herausgeben (§ 31).

 

III. Vermögensnachteil

Der Ausgleich dürfte gem. § 818 III nicht zu einem Verlust führen. Die Herausgabe in Natur muß den Ausgleich herbeiführen können, darf also einerseits nicht über die Beseitigung der Bereicherung hinausgehen und muß andererseits diese sinnvoll wettmachen.[68] Hier ist der Besitz am Auto eine noch bei W, vertreten durch G, vorhandene Bereicherung. Die Herausgabe bewirkt hier also nur die Beseitigung der Bereicherung.

S kann somit von W, vertreten durch G, gem. §§ 812 I S. 1 Alt. 2, 818 I i. V. m. § 31 Herausgabe des Autos verlangen.

 

F. Gesamtergebnis

S kann damit gem. § 985, gem. §§ 992, 823 I i. V. m. § 249 S. 1 und gem. § 812 I S. 1 Alt. 1 i. V. m. § 818 I Herausgabe des Autos von W, vertreten durch G, verlangen, ohne vorher etwas für das Unterstellen zu bezahlen.

 

Zusatzfall

 

A. Haftung für Verrichtungsgehilfen gem. § 831 I

S könnte von W, für die von A verursache Schramme am Auto, gem. § 831 I Ersatz der Reparaturkosten verlangen. In § 831 I S. 1 wird von Gesetzes wegen (die Rechtswidrigkeit und) das eigene Verschulden des Geschäftsherrn vermutet.[69]

 

I. Voraussetzungen der Vermutung

A müßte von W als Verrichtungsgehilfe zu einer Verrichtung bestellt worden sein, § 831 I S. 1. Verrichtungsgehilfe ist derjenige, der in die Organisationssphäre des Geschäftsherrn derart eingegliedert ist, daß ihm der Geschäftsherr in dessen Interesse Tätigkeiten überträgt, und der Verrichtungsgehilfe von seinen Weisungen abhängig ist.[70]

A ist Angestellter des Warenhauses und hatte die Aufgabe eine Leuchtröhre auszuwechseln. Er steht folglich im Einflußbereich des W, das ihm Tätigkeiten überträgt und von dessen Weisungen er abhängig ist. A ist somit Verrichtungsgehilfe des Warenhauses als seinem Geschäftsherrn.

Erforderlich ist ferner, daß A dem S widerrechtlich einen Schaden zugefügte, also den Tatbestand des § 823 I erfüllte. Durch das unvorsichtige Hantieren mit der Leiter, verursachte A eine Schramme am Auto des S. Diese fahrlässige Handlung hat zur Substanzverletzung der Fahrzeuglackierung, damit zur Eigentumsbeschädigung des S geführt, und zwar in adäquat kausaler Weise. Die Verletzung des Eigentums erfolgte unmittelbar.

Rechtfertigungsgründe liegen nicht vor, so daß die Rechtswidrigkeit der Schädigung hier indiziert ist.

Die Eigentumsbeschädigung müßte A in Ausführung einer Verrichtung zugefügt haben. Das Hantieren mit einer Leiter gehörte hier zum Handlungsablauf des Auswechselns der Leuchtröhre, mitunter einer der Aufgaben, die zum Verrichtungskreis des A gehörte - wie aufgrund fehlender anderslautender Angaben zu vermuten ist. Zwischen schädigender Handlung und Verrichtung besteht also ein innerlicher Zusammenhang. A hat demnach die Eigentumsschädigung in Ausübung seiner Verrichtung zugefügt. Die Voraussetzungen des § 831 I S. 1 sind mithin erfüllt.

 

II. Widerlegung der Vermutung

W könnte die Vermutung durch den Nachweis, daß er spezifische Sorgfaltspflichten beobachtet hat, gem. § 831 I S. 2 widerlegt haben. Bei größeren Betrieben genügt es, wenn der Geschäftsherr seinen Betrieb sorgfältig organisiert und die zur Auswahl und Überwachung bestellten „Zwischenpersonen“ sorgfältig ausgewählt und überwacht hat (dezentralisierter Entlastungsbeweis).[71]

W kann nachweisen, daß es A ordentlich ausgewählt, angeleitet und überwacht hat und bisher kein Grund zur Klage bestand. W hat damit einen ausreichenden Entlastungsbeweis erbracht. Es hat sich folglich exculpiert. S kann von W nicht gem. § 831 den Ersatz der Reparaturkosten verlangen.

 

B. Schadensersatzanspruch gem. § 823 I

I. Organhaftung

W könnte hier als GmbH (§ 13 I GmbHG), trotz der Exculpation für den durch A verursachten Schaden am Auto des S gem. § 823 I i. V. m. § 31 haften. § 31 bezieht sich auf alle jur. Personen.[72]

Wie bereits festgestellt (s. o. B III) ist W als GmbH gem. § 13 I GmbHG eine jur. Person. Das Warenhaus haftet damit gem. § 31 für alle Schäden, die seine Organe, nämlich Mitglieder des Vorstandes oder ein anderer verfassungsmäßig berufener Vertreter durch sorgfaltswidriges Verhalten bei Dritten verursacht haben (Representantenhaftung).

Dann müßte A zunächst ein verfassungsmäßig berufener Vertreter des Warenhauses sein. Wie bereits festgestellt (s. o.) ist A Verrichtungsgehilfe des W. Ein Gehilfe kann selbst dann verfassungsmäßig berufener Vertreter sein, wenn ihm durch die allgemeine Betriebsregelung und Handhabung bedeutsame, wesensmäßige Funktionen der juristischen Person zur selbständigen, eigenverantwortlichen Erfüllung zugewiesen sind.[73] Im vorliegenden Fall, führte A im Parkhaus dem Anschein nach Tätigkeiten der Instandhaltung und Instandsetzung aus. Das läßt jedoch nicht auf die Ausübung bedeutsamer Funktionen durch eine eigenverantwortliche Erfüllung seitens des A schließen. A ist damit kein verfassungsmäßig berufener Vertreter i. S. d. § 31.

 

II. Organisationsverschulden

W könnte hier jedoch für die durch A verursachten Schäden gem. §§ 823 I, 31, 89 haften, wenn A zum verfassungsmäßig berufenen Vertreter hätte bestellt werden müssen, dieses aber unterblieb.

Die Eigentumsverletzung durch die Schramme am Auto des S, müßte dem W insoweit zuzurechnen sein, als daß es unterließ, für notwendige Sicherheitsvorkehrungen Sorge zu treffen, wie das zur Vermeidung von Schäden Dritter geboten ist. Ein Organisationsmangel liegt vor, wenn für die Aufgaben mit selbständiger Entscheidung und entspr. Eigenverantwortung in größerem Handlungsbereich kein besonderer Vertreter bestellt ist, für den die jur. Person ohne Exculpationsmöglichkeit gem. § 31 haften würde.[74] W kann hier jedoch nachweisen, daß es nicht nur A ordentlich ausgewählt hat, sondern auch eine ordentliche Überwachung und Anleitung stattgefunden hat. Ein Organverschulden des W kann hier also nicht angenommen werden. S hat keinen Anspruch auf Ersatz der Reparaturkosten gem. §§ 823 I, 31, 89.

 

C. Anspruch aus culpa in contrahendo i. V. m. § 278

S könnte von W den Ersatz der Reparaturkosten des von A beschädigten Autos aus culpa in contrahendo i. V. m. § 278 verlangen.

Zunächst müßte zwischen S und W ein Schuldverhältnis vorliegen, auf das die Regeln der c. i. c. anwendbar sind. Schuldverhältnisse sind Rechtsverhältnisse, die eine privatrechtliche Verpflichtung (oder mehrere) einer Person gegenüber einer anderen zum Inhalt haben. Dabei kann es sich um vertragliche oder gesetzliche, aber auch um vorvertragliche oder nachvertragliche Schuldverhältnisse handeln.[75]

Wie zuvor bereits erörtert, war der Mietvertrag zwischen S und W aufgrund der von S angefochtenen Annahmeerklärung mit rückwirkender Wirkung nichtig. Zwischen ihnen bestand folglich ein Schuldverhältnis. C. i. c. ist grundsätzlich bei unwirksamen Verträgen anwendbar.[76] Gegen eine Anwendung von p. V. V. spricht, daß sie einen Vertrag voraussetzen, was hier durch die Nichtigkeit des Mietvertrages nicht gegeben ist. Andere vertragliche Ansprüche sind vorliegend auch nicht gegeben.

Des weiteren müßte A Erfüllungsgehilfe i. S. d. § 278 S. 1 des W sein. Erfüllungsgehilfe ist, wer nach den rein tatsächlichen Umständen mit dem Willen des Schuldners bei der Erfüllung einer diesem obliegenden Verbindlichkeit als seine Hilfsperson tätig wird.[77] A war Angestellter des W und erledigte Instandsetzungsarbeiten am Parkhaus als er den Schaden verursachte. Er führte das Auswechseln der Leuchtröhre mit Willen des W aus, war damit als Hilfsperson des W tätig geworden.

A müßte schuldhaft eine Verhaltenspflicht in Erfüllung einer Verbindlichkeit verletzt haben. Wie bereits festgestellt (s. o.) verursachte er die Beschädigung des Autos in Erfüllung der ihm aufgetragenen Instandsetzungspflicht. Die Partner müssen sich im Rahmen des Zumutbaren so verhalten, daß die Rechtsgüter des anderen nicht verletzt werden; die Schutzpflichten müssen gewahrt bleiben.[78] Es besteht die Pflicht, Räume, die der potentielle Vertragspartner betritt, in einem verkehrssicheren Zustand zu halten.[79] In diese Kategorie fällt auch die Instandsetzungsarbeit der Beleuchtung durch A. Die durch A ausgeführte Wartungsarbeit, erfüllt die Schutzpflicht des W gegenüber den Kunden des Parkhauses. Im Rahmen der objektiven Erfüllung dieser Pflicht verursachte A die Schramme am Pkw des S und verletzte somit sein Eigentum. Die Rechtswidrigkeit ist damit indiziert.

Des weiteren müßte A auch schuldhaft gehandelt haben. W hat hier gem. § 276 I S. 1 als Schuldner Vorsatz und Fahrlässigkeit seines Erfüllungsgehilfen vertreten. Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer acht läßt, § 276 I S. 2. Die Schramme am Auto des S, verursachte A durch das unvorsichtige Hantieren mit der Leiter. A befand sich im dunklen Parkhaus während der Geschäftszeit. Er hätte eine Beschädigung, beruhend auf dem Hantieren mit der Leiter, daher voraussehen können, und rechtzeitig Maßnahmen ergreifen können, die eine Beschädigungsgefahr von vornherein ausgeschlossen hätten. W haftet hier folglich für die rechtswidrige und schuldhafte Pflichtverletzung des A gem. § 278.

W ist dem S aus c. i. c. i. V. m. § 278 zum Ersatz der Reparaturkosten verpflichtet.

 



[1] Kegel, IPR, § 2 II 1 u. 2, S. 84 f.

[2] Kegel, IPR, § 18 III, S. 450.

[3] Karl Kreuzer in: MünchKO, Nach Art. 12 Anh. I Rn.12.

[4] Vorschriften des BGB werden im folgenden ohne Gesetzesangabe zitiert.

[5] Larenz, SchlR II, BT 1, § 58, S. 456 f.; Schöpe, DAR 1963, S. 348, 349; Wintergerst NJW 1963, 141,142; Otto Mühl in: Soergel, Vor § 688 Rn. 1.

[6] BGH NJW 1972, 150, 152.

[7] BGH NJW 1968, 1718, 1719; BGH NJW 1972, 150, 152; LG Wiesbaden NJW 1970, 665; Neumann - Duesberg VersR 1968, 313, 316; Güllemann NJW 1972, 889, 890; Jürgen Reinstorf in: Bub/Treier, Kap. I 1.3, Rn. 45, S. 15; vgl. Volker Emmerich in: Staudinger, Vorbem. Zu §§ 535, 536 Rn. 35; Wolfgang Kummer in: Soergel, Vor. § 535 Rn. 71; Wintergerst NJW 1963, 141; vgl. auch BGH NJW 1951, 957.

[8] RGZ 109, 128,131; BGHZ 101, 37,41; BGHZ 81,146,150; Hans Putzo in: Palandt, § 547 a Rn. 4; Klaus Scheuer in: Bub/Treier, Kap. V B 1 1.3 b), Rn. 253, S. 1238.

[9] BGHZ 101,37,47; BGHZ 81, 146, 152.

[10] RGZ 109, 128, 129;Volker Emmerich in: Staudinger, § 547 a Rn. 2; Klaus Scheuer in: Bub/Treiber, Kap. V B 1.3 b) Rn. 253, S. 1238; Gursky JZ 1984, 604, 609.

[11] Sontis in: Festschr. f. K. Larenz, S. 988; Raiser in: Festg. f. J. Sontis, S. 168; Wolf, Sa- chenR, § 3 II 2, Rn.38, S 21; Jürgen F. Baur in: Soergel, § 903 Rn. 5.

[12] RGZ 156, 63, 64; BGHZ 64, 395, 396; BGH NJW 1967, 2008, BGH NJW 1984, 1456, 1457; Wolf, JuS 1985, 941, 943; Karl-Heinz Gursky in : Staudinger, § 1006 Rn. 7;Otto Mühl in: Soergel, § 1006 Rn. 2; Wolfgang Hefermehl in: Erman, § 1006 Rn. 1; Baur/ Stürner, SachenR, §10 II 1, S. 84; Schwab /Prütting, SachenR, § 50 I, S. 249; Othmar Jauernig in: Jauernig, § 1006 Anm. 2.

[13] Wolf, JuS 1985, 941, 943.

[14] Olaf Werner in: Erman, § 854 Rn. 2; Elmar Bund in: Staudinger, § 854 Rn. 4;Kollhosser JuS1992, S. 215, 216; Baur/Stürner, SachenR, § 7 B II 1 a), S. 54; Otto Mühl in: Soergel, § 854 Rn. 4; Müller, SachenR, § 3 I, Rn. 102, S. 38.

[15] LG Bremen NJW 1970, 2064, 2065; Werner JuS 1980, 175, 176.

[16] Kollhosser, JuS 1992, S. 215, 216.

[17] Olaf Werner in: Erman, § 866 Rn. 1;KollhosserJuS 1992, S. 393, 395; Othmar Jauernig in: Jauernig, § 866 Anm. 2; Müller, SachenR, § 8, Rn. 260, S. 89.

[18] LG Bremen NJW 1970, S. 2064, 2065; Neumann - Duesberg VersR 1968, 313, 315.

[19] BGH 57, 166, 167; Baur/Stürner, SachenR, § 7 C I 3, S. 66; Wolf, SachenR, § 8 VI 3, S 77.

[20] Köhler, BGB AT, § 9 I 2 b, S. 72; Larenz, AT d. dt. BürgR, § 9 II 4, S. 142;Klunzinger, GesellR, § 11 I 2 a, S. 208.

[21] Klunzinger, GesellR, § 11 VII, S. 234.

[22] Raiser, Fest. f. Martin Wolff, 123, 139; Schreiber Jura 1992, 356, 358; Zeuner, Fest. f. Wilhelm Felgentraeger, 423, 424, 429; Oertmann, AcP 113 (1915), 51. 63.

[23] Raiser, Fest. f. Martin Wolff, 123, 139; Otto Mühl in: Soergel, § 986 Rn. 2; Wolfgang Hefermehl in: Erman, § 986 Rn. 1;Schreiber Jura 1992, 356, 358; Schwab/Prütting, Sa- chenR, § 47 II 2 d, S. 221; Wolf, SachenR, § 10 II 3, Rn. 180, S. 88 f; Gursky JZ 1984, 604, 609; Müller, SachenR, § 2 I, Rn. 434 a, S. 163.

[24] Wolf-Rüdiger Bub in: Bub/Treier, Kap. II 6.1 a), Rn. 333, S. 171; Padeck VersR 1989, 541, 542; Wolfgang Hefermehl in: Erman, Vor § 145 Rn. 7; vgl. auch BGHZ 55, 248, 249; Helmut Heinrichs in: Palandt, § 241 Rn. 3; Musielak, GK BGB, Rn. 111, S. 52; Me- dicus, AT BGB, § 26 I 2, Rn. 357, S. 134; Henning Piper in: RGBRK, Vor § 145 Rn. 34.

[25] Helmut Heinrichs in: Palandt, § 145 Rn. 1; Larenz, AT d. dt. BürgR, § 27 I a), S. 517; Brox, AT BGB, § 8 I 1, Rn. 169, S. 89; Musielak, GK BGB, § 3 II a), Rn. 85, S. 41.

[26] Brox, AT BGB, § 8 1 b), Rn. 169, S. 89.

[27] BGH NJW 1984,721; BGH NJW 1994,188, 189; Helmut Heinrichs in: Palandt, § 133 Rn. 3 a; Hermann Dilcher in: Staudinger, § 145 Rn. 3; Larenz, AT d. dt. BürgR, § 19 II a), S. 340; Musielak, GK BGB, § 3 II b), Rn. 92, S. 45.

[28] Medicus, AT BGB, § 26 II 1, Rn. 362, S. 136; Bähr Grundzüge d. BürgR, § 6 II 2, S. 76; Salje, Vermögensrecht, Rn. 60, S. 31; Köhler, BGB AT, § 15 II 1 b), S. 154.

[29] Larenz, AT d. dt. BürgR, § 27 I a), S. 518; Brox, AT BGB, § 8 I 1 b), Rn. 169, S. 89; Padeck, VersR 1989, 541, 542; Dieter Hart in: BGB AK, § 145 Rn. 5; Othmar Jauernig in: Jauernig, § 929 Anm. 2; Ernst Kramer in: MünchKO, § 145 Rn. 8; Henning Piper in: RGRK, § 145 Rn. 11; Manfred Wolf in: Soergel, § 145 Rn. 8; Hermann Dilcher in: Stau- dinger, § 145 Rn. 6; Flume, AT BGB, § 35 I 1, S. 636; Wolfgang Hefermehl in: Erman, § 145 Rn. 5; Helmut Heinrichs in: Palandt, § 145 Rn. 7 ff.

[30] BGH NJW 1962, 1388, 1389.

[31] Wolfgang Kummer in: Soergel, Vor. § 535 Rn. 1; Volker Emmerich in: Staudinger, §§ 535, 536 Rn. 2; Hans Putzo in: Palandt, § 535 Rn. 2.

[32] BGH WPM 1986,322; Wolf-Rüdiger Bub in: Bub/Treier, Kap. II 6.1 a), Rn. 343, S. 176; vgl. Brox, AT BGB, § 8 II b) 1), Rn. 187, S. 95; Musielak, GK BGB, § 3 II f), Rn.120, S. 60; Köhler, BGB AT, § 13 I 2 a), S. 115; Larenz, AT d. dt. BürgR, § 19 IV b), S. 359; Ernst Kramer in: MünchKO, § 151 Rn. 3.

[33] RG 117, 312, 314; BGH 74,352, 356; Flume, AT BGB, § 35 II 3, S. 654; Ernst Kramer in: MünchKO § 151 Rn. 49 f.; BGH NJW 1990,1656, 1657; Larenz, AT d. dt. BürgR, § 28 I, S. 533; Helmut Heinrichs in: Palandt, § 151 Rn. 2; Bydlinski JuS 1988, 36, 38; Medicus, AT BGB, § 26 III 2 a, Rn. 382, S. 141.

[34] Wolf-Rüdiger Bub in: Bub/Treier, Kap. II 6.2.5, Rn. 392, S. 195; Belke JA 1988, 475, 477; Wolf JZ 1995, 77,78; Wolf-Rüdiger Bub in: Bub/Treier, Kap. II 6.2.2, Rn. 364, Rn. 368, Rn. 370, S. 186 ff.; Andreas Heldrich in: Palandt, § 1 AGBG Rn. 2, Rn. 5 u. Rn. 7; Brox, AT BGB, § 10 II, Rn. 204 a, S. 110; Medicus, AT BGB, § 27 III 1, Rn. 403 f. , S. 150; Fikentscher, SchuldR, § 26 VI 2a, Rn. 131, S. 110.

[35] BGH NJW-RR 1989, 1104; Andreas Heldrich in: Palandt, § 2 AGBG Rn. 7; Brox, AT BGB, § 10 III 1 a (2), Rn. 204 e, S. 111 f.; Belke JA 1988, 475, 478; Larenz, AT d. dt. BürgR, § 29 a, I b, S. 554; Köhler, BGB AT, § 23 III 1 a), S. 252; Medicus, AT BGB, § 27 III 2 a, Rn. 411, S. 153; vgl. auch Güllemann NJW 1972, 889, 890.

[36] Wolf-Rüdiger Bub in: Bub/Treier, Kap. II 6.2.11, Rn. 568, S. 258; Andreas Heldrich in: Palandt, § 6 AGBG Rn. 2; Larenz, AT d. dt. BürgR, § 29 a, I d), S. 574; Wolf/Ungeheuer JZ 1995, 77, 84.

[37] BGHZ 90, 69, 75; BGHZ 107, 273, 276; BGH NJW 1990, 115, 116; BGH NJW 1992, 1164, 1165; OLG Düsseldorf BB 1986, 1464,1466; Medicus, AT BGB, § 35 III 2, Rn. 513, S. 190; vgl. auch BGH NJW 1984, 721.

[38] OLG Düsseldorf BB 1986, 1464, 1466; Helmut Heinrichs in: Palandt, § 6 AGBG Rn. 7.

[39] Brox, AT BGB, § 4 II 1 (1) c), Rn. 84, S. 50; Musielak, GK BGB, § 2 II c), Rn. 46, S. 23.

[40] Brox, AT BGB, § 16 II 3, Rn. 336, S. 167; Musielak, GK BGB, § 5 V a), Rn. 284, S. 132.

[41] Giesen, Jura 1984, 505, 506.

[42] Hans Brox in: Erman, § 119 Rn. 34; Giesen Jura 1984, 505, 507;Helmut Heinrichs in: Palandt, § 119 Rn. 11.

[43] RGZ 105, 206, 207; RGZ 158, 166, 168; BGH 88,240, 245; BGHZ 91, 324, 331; BGH NJW-RR 1988, 566, 567; Musielak, § 5 V e), Rn. 308, S. 148; Giesen Jura 1984, 505, 509; Medicus, AT BGB, § 47 II 4,, Rn. 724, S. 271, Larenz, AT d. dt. BürgR, § 20 II c), S. 386; Othmar Jauernig in: Jauernig, § 143 Anm. 2.

[44] Köhler, BGB AT, § 18 I, S. 192; Claus Ott in: AK BGB, § 164 Rn. 11; Erich Steffen in: RGRK, Vor § 164 rn. 1; Flume, BGB AT, § 434, S. 755; Ulrich Leptien in: Soergel, Vor 164 Rn. 17.

[45] Leenen Jura 1991, 393, 397.

[46] RGZ 51, 80, 83; RGZ 136, 422, 426; RGZ 158, 145, 149; RGZ 144, 62, 66; BGHZ 64, 122, 124; BGH NJW 1955, 340, 341; BGH NJW - RR 1986, 282, 283.

[47] Raiser, Fest. f. Martin Wolff, 123, 140; Schreiber Jura 1992, 356, 359; Wolfgang Hefer- mehl in: Erman, § 986 Rn. 1; Roussos JuS 1987, 606, 610; Otto Mühl in: Soergel, § 986 Rn. 7; Peter Bassenge in: Palandt, § 986 Rn. 6; Karl-Heinz Gursky in: Staudinger, § 986 Rn. 16; Schwab/Prütting, SachenR, § 48 VI 6 a), S. 237; Dieter Medicus in: MünchKO, § 986 Rn. 17.

[48] BGH NJW 55, 340, 341; LG Augsburg, DAR 1977, 71; Wolf, SachenR, § 12 I, Rn. 209, S. 106; Schwab/Prütting, SachenR, § 48 VI 2, S. 234; Baur/Stürner, SachenR, § 11 C IV 1 , S. 103; Waltjen AcP 175 (1975), 109, 135; Wolfgang Hefermehl in: Erman, Vor §§ 994 - 1003 Rn. 2; Otto Mühl in: Soergel, § 994 Rn. 3; Karl-Heinz Gursky in: Staudinger, § 994 Rn. 2; Medicus, BürgR, § 34 I 2, Rn. 878, S. 647; Haas AcP 176 (1976), 1, 2; Wolf AcP 166 (1966), 188, 193 f.; Eichler JuS 1965, 479, 480.

[49] LG Augsburg DAR 1977, 71.

[50] Larenz, SchuldR AT Bd. I; §16, S. 211; Walter Selb in: Staudinger, § 273 Rn. 13; Me dicus, SchuldR I AT, § 22 II 1 u. 2, Rn. 209, S. 108; Brox, Allg. SchuldR, § 12 I 1, Rn. 145, S. 89; Keller JuS 1982, 665.

[51] Walter Selb in: Staudinger, § 273 Rn. 9.

[52] RGZ 82, 24, 27; RGZ 158, 145, 149; BGHZ 73, 317, 319; BGHZ 111, 154, 156; BGHZ 116, 244, 248; Walter Selb in: Staudinger, § 273 Rn. 10; Larenz, SchuldR I AT, § 16 2, S. 213; Rolf Keller in: MünchKO, § 273 Rn. 36; Brox, Allg. SchuldR, § 12 2 b), Rn. 147, S. 90.

[53] Brox, AT BGB, § 18 IV 2 c 1 a, Rn. 397, S. 191; Helmut Heinrichs in: Palandt, § 122 Rn. 4; Larenz, AT d. dt. BürgR, § 20 c), S. 387.

[54] Schiemann JuS 1988, 20, 22.

[55] Brox, Allg. SchuldR, § 25 I, Rn. 319, S. 183.

[56] BGHZ 55, 128, 132; Brox, Bes. SchuldR, § 34A I 3, Rn. 389, S. 298.

[57] BGHZ 41, 157, 158; BGHZ 56, 73, 77; Zeuner, Fest. f. Wilhelm Felgentraeger, 423, 430; Schreiber Jura 1992, 356, 360; Otto Mühl in: Soergel, Vor § 987 Rn. 14.

[58] BGHZ 56, 73, 77; Karl-Heinz Gursky in: Staudinger, Vorbem zu §§ 987 - 993 Rn. 6; Wolf gang Hefermehl in: Erman, Vor §§ 987 - 993 Rn. 20.

[59] BGHZ 39, 103, 106; Musielak, § 8 IV b) aa), Rn. 650, S. 359 f.; Brox, Bes. SchuldR, § 37 III 1, Rn. 438.

[60] Brox, Bes. SchuldR, § 38 A I 2, Rn. 443, S. 341.

[61] BGHZ 55, 153, 155; Kötz, DeliktsR., § 823 C I 1 b), Rn. 58, S. 24; Möschel JuS 1977, 1, 4; Karl Schäfer in: Staudinger, § 823 Rn. 55.

[62] BGHZ 98, 212, 218.

[63] Brox, Bes. SchuldR, § 38 III 3 a, Rn. 440, S. 336.

[64] Kötz, DeliktsR, § 823 C 2 c), Rn. 105, S. 42.

[65] BGH 40, 272, 277; BGHZ 58, 184, 188; Brox, Bes. SchuldR, § 34 II 1 a), Rn. 390, S. 299; Georg Heimann-Trosien in: RGRK, § 812 Rn. 15; Peter Schlechtriem in: Jauernig, § 812 Anm. 1; Heinz Thomas in: Palandt, § 812 Rn. 3; Loewenheim/Winckler JuS 1982, 668, 671.

[66] RGZ 151, 123, 127; Georg Heimann-Trosien in: RGRK, § 812 Rn. 1.

[67] Georg Heimann-Trosien in: RGRK, § 812 Rn. 3; Brox, Bes. SchuldR, § 34 I 1, Rn. 389, S. 298; Heinz Thomas in: Palandt, § 812 Rn.19.

[68] BGHZ 55, 128, 133; Harm Peter Westermann in: Erman, § 818 Rn. 28; Karl-Heinz Gursky in: Staudinger, § 988 Rn. 4; Otto Mühl in: Soergel, § 988 Rn. 5.

[69] Kötz, DeliktsR, D III 1, Rn. 268, S. 102; Medicus, SchuldR II BT, § 144 II, S. 381 f; Kü- pisch/Krüger JuS 1981, 347, 351.

[70] Brox, Bes. SchuldR, § 39 I 1, Rn. 474, S. 367; Kupisch/Krüger JuS 1981, 347, 350.

[71] RGZ 78, 107, 108; BGHZ 4,1, 2; Heinz Thomas in: Palandt, § 831 Rn. 15; Brox, Bes. SchuldR, § 39 I 2, Rn. 475, S. 368 f.; Arndt Teichmann in Jauernig, § 831 Anm. 3 cc).

[72] Othmar Jauernig in: Jauernig, § 31 Anm. 2 a; Köhler, BGB AT, § 9 II 4 c), S. 81.

[73] BGHZ 49, 19, 21; Kötz, D III 6 a, Rn. 290, S. 108.

[74] BGH NJW 80, 2811;Othmar Jauernig in: Jauernig, § 31 Anm. 2 c).

[75] Larenz, SchuldR I AT, § 1, S. 1.

[76] Helmut Heinrichs in: Palandt, § 276 Rn. 77; Max Vollkommer in: Jauernig, § 276 Anm. 2a.

[77] BGHZ 13, 111, 113; BGHZ 50, 32, 35; BGHZ 98, 330, 334; Musielak, GK BGB, § 9 III b) 1, Rn. 751, S. 423; Peter Hanau in: MünchKO, § 278 Rn. 12.

[78] Helmut Heinrichs in: Palandt, § 276 Rn. 71; Peter Hanau in: MünchKO, § 276 Rn. 97.

[79] BGHZ 62, 31, 32; BGHZ 66, 51, 55.

     

Anmerkungen des Korrekturassistenten

Verfasserin hat sehr gut und sehr sorgfältig angefangen.

Die Vertrags- und Anfechtungsprüfung ist sehr gut gelungen.

Leider läßt sich die Verfasserin durch die zwischenzeitlich überholte BGH-Entscheidung (55, 128) bei der Prüfung des Bereicherungsanspruchs leiten. Nach richtiger Ansicht ist die bloße Möglichkeit des Gebrauchs schon Kondiktionsobjekt, da diese in Übereinstimmung mit dem später gescheiterten Vertrag als Erfüllungsgegenstand zugewendet wurde. S hat somit etwas erlangt.

Verfasserin kommt dementsprechend auch nicht auf die Problematik des § 818 III.

§ 823 ist ein Schadensersatzanspruch, kein Herausgabeanspruch, war daher nach der hier zugrunde liegenden Fragestellung nicht zu prüfen. Die Lösung zu Abschnitt D ist damit nicht vertretbar.

Das Ergebnis der Prüfung zu § 812 I S. 1 Alt. 2 (Eingriffskondiktion) ist ebenfalls falsch. § 812 I 1 2. Alt. ist durch Vorliegen des EBV ausgeschlossen.

Außerdem hat die Verfasserin übersehen, daß S gegenüber W einen Anspruch gem. § 861 auf Herausgabe des Fahrzeugs hat.

Ansonsten versteht die Verfasserin zu überzeugen. Die Arbeit zeichnet sich durch ein sorgfältiges Literaturverzeichnis aus.

Insgesamt vollbefriedigend (12 Punkte).